Was sagst Du, wenn Du sagen willst, was Du denkst?

Oliver PrachtViele wurden dazu erzogen, nichts zu sagen, wenn ihnen etwas nicht gefällt und sich nicht zu melden, wenn jemand etwas sagt, was ganz offensichtlich nicht stimmt. „Das macht man nicht“. Oder: „Sag nichts, das ist unhöflich“, das sind Aussagen, die wohl jeder von uns kennt.

Ein ganz einfaches Beispiel ist, wenn eine Unternehmensversammlung stattfindet und zu Beginn gefragt wird: „Ist jemand mit den Abläufen in diesem Unternehmen nicht zufrieden? Oder hat jemand einen Verbesserungsvorschlag?“, dann meldet sich meistens niemand. Sobald aber dann die Versammlung vorbei ist, werden oft im Pausenraum untereinander die verschiedensten Verbesserungsvorschläge diskutiert.

Ein weiteres Beispiel ist: Da sitzt der Partner mit abwesendem Gesichtsausdruck auf dem Sofa und wir würden zu gern wissen, was in seinem Kopf vorgeht. Schließlich muss man in einer Beziehung doch alles teilen, oder? „Nein“, meint Gabriele Leipold. „Die Gedanken sind frei, niemand hat das Recht, sie zu erfahren – es sei denn, man möchte den anderen daran teilhaben lassen.“ Die Paartherapeutin erlebt immer wieder, dass sich Männer von ihren Frauen regelrecht verhört fühlen. Kleine Geheimnisse sollte man akzeptieren. Beispiel: Er denkt gerade an die nette neue Kollegin, sie an Michael Fassbender. Muss man so etwas dem anderen auf die Nase binden?

An jeder Straßenecke bekommt man die gute Weisheit „Sag immer das was Du denkst“ mit auf den Weg.

Ein Kultspruch der Massen. Aber wie sieht eigentlich die Realität aus? Viele Menschen die mitlaufen, die Klappe halten, schleimen und sich unterwerfen, behalten ihren Job, werden vielleicht sogar in Schulen nicht gemobbt, haben weniger Auseinandersetzungen weil sie immer mitziehen und sich alles gefallen lassen.

Derjenige der sagt was er denkt, bekommt einen Anschiss von seinem Chef, s2weil er sich mit ihm anlegt und wird unter Umständen gekündigt, er bekommt Krach mit dem Lehrer, mit dem Arbeitsamt und überall wo Pflichten herrschen, er wird ins Abseits gestellt, er wird eventuell auch von Schülern gehasst und sogar vor den eigenen Eltern gilt der ehrliche direkte Mensch als frech und muss dann Hausarest bekommen.

Also wie ehrlich und direkt sollte man im Leben sein?

Gibt es Vorteile? Einige Vorteile habe ich selber erlebt. Ich merke, wenn ich ehrlich und direkt bin, dann denken die Mitläufer der Gesellschaft an meine Worte … und denken auch etwas nach … aber inwiefern hilft das Mittel, dass zu sagen, was man denkt?

Zunächst einmal muss man denken lernen, bevor man redet. Dass dies die meisten nicht können sieht man bei vielen Kommentaren. Die Problematik besteht in erster Linie darin, dass Menschen ohne die geringsten Manieren darin einen Freibrief sehen.

Wenn Du zu jemanden sagst er sei ein A.sch, ist das abwertend und biologisch falsch. Und im Grunde genommen nichtssagend, außer, dass Dein Denk- und Wortschatz sich um die Kloschüssel dreht.

Um zu sagen, was man denkt, muss man zunächst lernen Achtung für andere Menschen zu empfinden. Wenn Du unsere Grundgesetze für Dich und andere anwendest, hast Du bereits die Grundlage für richtiges Denken gefunden. Der nächste Schritt ist, authentisch zu sein.

Ich muss niemanden beschmutzen um authentisch zu sein und ich muss nicht alles sagen, was ich denke.

Aber was Du sagst, sollte authentisch und wahr sein. So verstehe ich das und so handle ich. Vielleicht wirst Du dadurch einsamer werden, aber andererseits wirst Du mehr Achtung erhalten und vielleicht einen kleineren, dafür aber einen wertvolleren Bekanntenkreis erhalten.

Wenn einem etwas oder jemand wichtig ist, sollte man schon seine Meinung sagen. Aber es gibt auch viele Situationen, wo die eigene Meinung eher unangebracht ist oder besser gesagt unnötig ist. Damit wollen sich die Leute nur in den Vordergrund spielen oder provozieren.

Wenn man das, was man denkt ordentlich vorträgt, bekommt er eigentlich s3auch keine Probleme mit dem Chef oder sonst wem. Das Problem ist eher, was man denkt und die Meinung ansich, die einen dann durch ehrliches und direktes Auftreten eher unsymphatisch machen oder halt nicht. Der Umgang miteinander ist wichtig beim Vertreten der eigenen Meinung.

Ich sage nicht wirklich immer, was ich denke – (allerdings auch nicht das Gegenteil). Wenn die Gedanken niemandem helfen, aber verletzend gegenüber anderen oder dem Selbst sind, ist Schweigen durchaus sinnvoll(er).

Denken fördert behutsames Schweigen. Einige schweigen jedoch, wenn Worte den (tieferen) Frieden oder die Wahrheit verhindern – denjenigen gilt wohl jene zitierte Aufforderung: Mit Schweigen sprechen, mit Worten schweigen – jedem Kontext das ihm gebührende.

Sage immer, was Du denkst (aber pass auf, wo Du es tust).

So müsste der Spruch eigentlich richtig lauten. Generell ist der Spruch schon richtig, nur kann man ihn nicht überall anwenden. Eine Portion Diplomatie an der richtigen Stelle bringt Dich oft weiter, wo Du mit Deinem Spruch eher anecken würdest.

s4Es ist immer auch eine Frage, wie man seine Gedanken formuliert. Sowas kann man lernen! Aber manchmal kann man eine Menge Gutes bewirken, wenn man Tacheles redet. Man darf halt die Regeln der Höflichkeit nicht überschreiten. Wenn man allerdings sturen Dummköpfen das Regiment auf dieser Welt überlässt, haben alle drunter zu leiden …

Mit Duckmäusertum hat jedenfalls noch niemand Herausragendes geschafft. Alle Großen der Weltgeschichte mussten sich gegen Widersacher behaupten.

Wenn Jeder sagen würde, was er denkt, dann würde das Zusammenleben nicht funktionieren, und wir alle wären sehr einsam! Ist das wirklich so ??

Und auch wenn der Spruch auf den ersten Blick wie eine oberflächlich dahingesagte Binsenwahrheit wirken sollte, ist es doch ein Satz von sehr großer Tragweite.

Zuerst einmal hat das Rückwirkungen auf den einzelnen Menschen selbst, denn wer zu sich selbst ehrlich ist und sich mit seinem eigenen Tun auseinandersetzt, und wer die Geschehnisse von außen nicht unwidersprochen hinnimmt und wer niemals selbst versucht, sich eine fundierte eigene Meinung zu bilden … der kann und wird niemals ehrlich sein können.

Wer aber zu sich selbst und seinen eigenen Tun auf Distanz gehen … und hinterfragen kann … der wird auch den Geschehnissen, welche von außen an ihn kommen, genau so kritisch gegenüber stehen können.

Und wer erkannt hat, was gut und was richtig sein kann … der wird kaum bewußt lügen, und entweder schweigen oder das sagen, was er denkt … und zwar in einer Form, die von seinem jeweiligen Gegenüber angenommen und auch verstanden werden kann.

Jetzt weißt Du, auf was es ankommt, wenn Du sagen willst, was Du denkst. Hast Du weitere Tipps? Dann hinterlasse mir bitte einen Kommentar. Oder melde Dich bei mir: MAIL

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